09. Apr 2015

Eurex

Interview: Cathal Hardiman über unsere Optionen auf iShares-ETFs und was sie so interessant macht

Im ersten Quartal verzeichneten wir einen bemerkenswerten Anstieg in Volumen und Open Interest bei unseren Optionen auf EURO STOXX50®- und DAX®-basierten iShares-ETFs. Ende März betrug das Open Interest 5.400 Kontrakte. Insgesamt wurden im ersten Quartal 8,300 Kontrakte umgesetzt. Wir sprachen mit Cathal Hardiman, Options Sales Trader bei Susquehanna International Securities Limited, eine der aktivsten globalen Handelsfirmen, über die Besonderheiten dieser Kontrakte.

Cathal Hardiman, Susquehanna International Securities Ltd.

Eurex: Danke, dass Sie sich heute die Zeit für dieses Gespräch mit uns nehmen. Können Sie uns zuerst einmal etwas über Susquehanna und Ihre Rolle dort sagen?

Cathal Hardiman: Susquehanna wurde 1987 als Options Market Making-Firma in den USA gegründet. Seitdem ist die Zahl der Mitarbeiter weltweit auf 1.500 angestiegen, ganze 300 davon sind in unserer europäischen Zentrale in Dublin tätig. Wir decken mittlerweile eine breite Palette von Produkten ab und zählen heute zu den größten europäischen Market Makern sowohl für ETFs als auch für Optionen.

Ich selbst bin am europäischen Options Sales Desk tätig, dem kundenorientierten Bereich des Options Desk. Zu unserem Kundenstamm gehören Asset Manager sowie Hedge Fonds und Bank Execution Desks. Wir decken die breite Mehrheit der gelisteten Optionen in Europa ab und bieten kommissionsfreie Preise für Direktkunden.

Eurex: Wie passen Eurex Exchange-Derivate in Ihr Geschäft?

Cathal Hardiman: Wir agieren als Liquiditätsspender in allen großen europäischen Börsen. Eurex Exchange ist der größte Markt bezüglich des gehandelten Volumens und wir sind dort als Liquiditätsgeber sehr aktiv. Im letzten Jahr waren wir für 16 Prozent des Volumens aller on-Screen an Eurex gehandelten gelisteten Optionen (Index und Single Stocks) verantwortlich (10 Prozent insgesamt).

Wir arbeiten mit Eurex Exchange bei neuen Produkt-Listings eng zusammen und agieren bei der Einführung mehrerer Produkte als primärer Liquiditätsanbieter. Neben den neuen ETF-Optionen haben wir bei der Einführung der Weekly Options (Index und Single Stock) sowie Sector Options eng mit Eurex zusammengearbeitet. Und diese drei neuen Produkttypen wurden alle mit großem Interesse im Markt aufgenommen.

Eurex: Eurex Exchange bietet in allen möglichen Varianten Indexoptionen an. Was ist der Reiz von ETF-Optionen?

Cathal Hardiman: ETF-Optionen bieten in vielen Kernbereichen eine Alternative zu regulären Indexoptionen: Erstens werden sie physisch abgewickelt, was ein Netting von Positionen gegen ETF-Bestände ermöglicht. Reguläre Indexoptionen werden bar abgewickelt und erlauben somit kein Netting.

Zweitens unterscheidet sich die Behandlung von Dividenden für Index-ETFs grundlegend von der für reguläre Index-Futures. Somit bieten ETF-Optionen einen viel besseren Hedge für das Dividenden-Exposure von ETFs.

Und schließlich sind die Losgrößen für diese Produkte kleiner; eine Einheit einer regulären SX5E-Option (EURO STOXX 50® Index Options) entspricht zehn Einheiten von EUN2-Optionen (Optionen auf iShares EURO STOXX 50® ETFs). Dies dürfte besonders Kleinanlegern entgegenkommen, da eine SX5E-Option einen Nominalwert von ungefähr EUR 30.000 hat.

Eurex: In den USA basieren die liquidesten Optionen auf ETFs, nicht nur Spider-ETFs auf dem S&P 500. Ist diese Liquiditätsentwicklung auch in Europa denkbar?

Cathal Hardiman: ETF-Optionen haben in den USA ein extrem rasantes Wachstum erfahren. Etwa 35 Prozent des Volumens aller im Jahr 2014 in den USA gelisteten Optionen bestanden aus ETF-Optionen. Wir glauben, dass der europäische Markt das Potenzial hat, dieses Niveau ebenfalls zu erreichen. In Bezug auf Produktentwicklung liegt Europa gegenüber den USA immer einige Jahre zurück. Beispielsweise sind Weekly Options im US-Markt längst etabliert und machen 25 Prozent des Gesamtvolumens aus. In Europa holen sie langsam auf; in den beiden etablierten Märkten für SX5E & DAX® machen Weeklies heute über sechs Prozent des Umsatzes aus.

ETF-Optionen sind noch in ihrer Entstehungsphase und werden von uns erst seit dem Anfang dieses Jahres quotiert. Da sich Susquehanna zur Bereitstellung von Liquidität und der Förderung des Handels in diesem Produkt verpflichtet hat, glauben wir, dass diese ETF-Optionen eine echte Chance auf ein ähnliches Wachstum wie in den USA haben.

Eurex: ETF-Optionen auf iShares werden jetzt bei Eurex Exchange mit Pro-Rata-Matching gehandelt. Worin sehen Sie die Vorteile, beispielsweise gegenüber Price/Time-Matching?

Cathal Hardiman: Einer der grundsätzlichen Unterschiede zwischen dem US-Markt und dem europäischen Markt ist die Vorherrschaft des Pro-Rata-Matching. Die Mehrheit der in den USA gelisteten Optionen wird über Pro-Rata-Matching abgewickelt, während Europa in dieser Entwicklung noch zurückliegt. Mit Blick auf die Preis-/Zeit-Priorität hat beispielsweise ein Market Maker, der nicht das beste Gebot quotiert hat, keinen Anreiz, sein Gebot zu erhöhen, da er nur gematcht wird, wenn der Umfang des Gebots groß genug ist, um das erste auszuboten. Er nimmt mit seinem Quote daher nicht am Retailorderflow in kleineren Handelsgrößen teil.

Dagegen besteht im Pro-rata-Matching sehr wohl ein Anreiz, top-of-book einzusteigen, was zu mehr sichtbarer Liquidität führt. Der Unterschied wird beim Vergleich eines europäischen Titels mit seinem ADR offensichtlich. Die Quotes in den US-Märkten tendieren dazu, zwar ähnlich weit zu sein, weisen an der Spitze des Orderbuchs im Vergleich zu Europa dagegen häufig ein bis zu 10fach größeres Volumen auf. Dies verleiht Investoren mehr Vertrauen, fördert den Handel, was wiederum zu mehr Volumen im Orderbuch führt. Dieser „positive Kreislauf“ von Liquidität ist besonders bei neuen Produkten wie diesen wichtig.

Eurex: Als Market Maker liefern Sie mit Quotes Liquidität ins Orderbuch. Welche Empfehlung haben Sie für institutionelle Kunden, die größere Transaktionen anstreben?
Cathal Hardiman:
Die auf dem Handelsschirm angezeigte Liquidität ist eher eine Untergrenze für die tatsächliche Verfügbarkeit. Kontaktiert uns ein Kunde direkt, so können wir im Regelfall mehr Liquidität bieten als die auf dem Bildschirm dargestellte - sowohl durch größeres Volumen als auch durch engere Quotes bei kleineren Aufträgen. Der Grund dafür ist, dass unsere Quotes im Orderbuch lediglich die Preise darstellen, zu denen wir mit einer anonymen Gegenpartei handeln würden. Wenn uns die Gegenpartei jedoch bekannt ist, dann besteht diese Informationsasymmetrie natürlich nicht mehr und das Handelsrisiko gilt somit als reduziert. Sie können auch direkt mit uns in Kontakt treten, um eine höhere Liquidität zu erzielen, vor allem für neue Produkte wie diese, aber auch für sämtliche Titel im europäischen Optionsspektrum.

Eurex: Sehen Sie für unser Produkt Verbesserungspotenzial?

Cathal Hardiman: Nachdem wir in der Entwicklungsphase eng mit Eurex zusammengearbeitet haben, empfinden wir die Marktstruktur (Mindestquotierungsgrößen, Mindestgrößen von Block Trades und Matching-Algorithmus) als ideal, um den Handel in dem Produkt anzuregen.
Obwohl der Handel in diesen Produkten langsam anläuft, erfolgt er bisher dennoch nur sporadisch. Um die Situation zu verbessern, müssen alle Beteiligten (Börse, ETF-Anbieter und Market Maker) sie stärker an institutionelle Kunden empfehlen, und zwar an Options- wie an ETF-Händler. Wir arbeiten gerne mit Eurex und iShares zusammen, um dieses Ziel zu erreichen.

Eurex: Herr Hardiman, vielen Dank für dieses Interview.

About Cathal Hardiman

After receiving his MSc. in Finance from LSE, Cathal went through the education program at SIG. He spent nearly three years on the trading side before joining the European options sales operation. Along with his colleague, Javier Arrazubi, Cathal makes prices for asset managers, hedge funds and private banks across the spectrum of European equity and index options. He is currently based in the SIG European headquarters in Dublin, Ireland.

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